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+++ Worte zum Volkstrauertag / Friedenssonntag +++

Rede des Kreisvorsitzenden Lars Büttner anlässlich der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag / Friedenssonntag am Ehrenmal in der Gemeinde Bohmte:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute wird in zahlreichen kleinen und großen Gedenkveranstaltung in der gesamten Bundesrepublik an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht und erinnert.

Gedenken – Trauer und Hoffnung sind mit diesem Tag verbunden.

So gedenken wir den Opfern des Nationalsozialismus, den Opfern von Krieg, Gewalt und Rassismus. Und natürlich besonders den Todesopfern der Weltkriege aller Nationen.

Auch wegen solcher Trauertage haben wir heute eine klare Vorstellung von Gut und Böse. Aber oft keine klare Vorstellung davon, dass beides in uns wohnt: das Gute UND das Böse.

Der italienische Dichter Francesco beschrieb dies Mitte des 14. Jahrhunderts folgendermaßen:

"Fünf große Feinde des Friedens wohnen in uns: nämlich Habgier, Ehrgeiz, Neid, Wut und Stolz."

Und einen sechsten Feind möchte ich noch hinzufügen: Gleichgültigkeit.

Weil diese Feinde in uns wohnen, können auch nur wir selbst sie aus der Wohnung vertreiben: Wenn wir eben NICHT gleichgültig sind, wenn wir stets darauf achten, dass sie nicht ihr Wurzelwerk flechten, aus dem irgendwann ein Riesenbaum wuchert.

Bei den Nationalsozialisten konnte dieser Baum wuchern, weil zu wenige die heranwachsende Gefahr sehen wollten oder mit Überzeugung den Nährboden bereiteten. So schoss der Baum nach oben auf dem Nährboden für die politischen Brandstifter: gedüngt durch Gleichgültigkeit und Ignoranz.

 

Heute führt dieser Dünger wieder dazu, dass manches von dem wir dachten es überwunden zu haben wieder zutage tritt.

Wir dürfen uns eben nicht täuschen lassen, wenn Politiker von Höcke bis Gauland zur politischen Jagd aufrufen und die Erinnerungskultur überwinden wollen.

Dieses Gedankengut ist der wuchernde Baum unserer Tage, der unsere Häuser zerstören will. Diesen politischen Brandstiftern sagen wir: Wir wollen die Erinnerungskultur.

 

Denn nur durch bewusste Erinnerung, durch öffentliches Eingestehen von katastrophalen Irrtümern und Fehlern wird Versöhnung möglich.

Diese Aufforderung gilt, unabhängig davon, ob wir sie als religiöses Gebot oder moralischen Imperativ verstehen.

Sie gilt, weil aus der menschlichen Fähigkeit, sich zu erinnern, Verantwortung für das Geschehene erwächst. Erst dadurch wird es möglich sich in Versöhnung die Hände zu reichen.

 

Eben daran sind die Brandstifter in unserem Land gar nicht interessiert. Die wollen keine Hände reichen, die wollen ihren Willen mit Gewalt durchsetzen und wuchern wie ein Riesenbaum, um unsere Wohnungen zerstören zu können!

Das Fremdeln mit der parlamentarischen Demokratie, wie wir es seit einiger Zeit in vielen Teilen Europas und Deutschlands erleben, gibt Anlass zu größter Sorge.

Natürlich müssen die Bürgerinnen und Bürger das Recht haben, ihren Sorgen und auch ihrer Wut auf Entscheidungen der Politik Ausdruck zu verleihen.

Die offene Gesellschaft verträgt eine Vielzahl von Meinungen.

Aber sie verträgt keine Aufrufe zu Gewalt und Hass.

 

Wir alle sind dafür verantwortlich was in unserem Umfeld ausgesprochen oder wie über andere gesprochen wird.

An diesem Sonntag liegt es eben an uns den Charakter des Volkstrauertages zu erhalten - als Gedenktag einer lebendigen Erinnerungskultur für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Wir trauern um die Opfer.

Trauer meine Damen und Herren ist ein natürliches Bedürfnis der Menschen, ein schmerzliches Bewusstwerden des erlittenen Verlustes, aus dem irgendwann neue Hoffnung keimen kann.

 

Unsere Trauer sollte uns nicht nur an die vielen Todesopfer von ungehemmt wuchernden Bäumen erinnern, sondern auch daran, welchen Anteil wir alle an solchen Wucherungen haben können, wenn wir es durch unsere Gleichgültigkeit zulassen.

 

Die furchtbaren Erfahrungen und Schrecken von Kriegen sind ein Teil unserer menschlichen Identität. Kein schöner, natürlich, aber er gehört auch zu uns. Wir können ihn nie verdrängen, ganz gleich, ob wir Krieg persönlich erlebt haben oder ihn nur aus den Geschichtsbüchern kennen. Deshalb sind Tage wie heute so wichtig.

Sie sind wichtig, weil sie uns immer daran erinnern was geschieht, wenn wir gleichgültig werden und gleichzeitig öffnen Sie uns die Augen dafür, dass wir selbst es sind, die für einen friedlichen Verlauf unserer weiteren Geschichte sorgen können.

 

Und das macht mir, nach dem Gedenken und Trauer um die Toten, neue Hoffnung für die Zukunft.